Wenn Englein reisen

Am 11. August startete um 8.00 Uhr früh die Abteilung „Damengymnastik“ des TSV auf ihre große Jubiläumsfahrt. Anlässlich des 50-jährige Bestehens der Abeilung hatte sich die langjährige Übungsleiterin Elfriede Raab etwas ganz Besonderes ausgedacht: gemeinsam den berühmten Drachenstich in Furth im Wald ansehen. Dass dies eine tolle idee war wurde schnell klar, denn die insgesamt 45 Plätze waren im Nu ausgebucht. Blieb nur noch die Hoffnung, dass auch der Sonngott ein Einsehen hätte, in dem wechselhaften Sommer 2019. Und in der Tat konnte immer wieder an diesem Tag der Spruch „Wenn Englein reisen“ ins Spiel gebracht werden, denn es erwartete die Teilnehmer ein wunderbarer Sonnentag.
Um jedoch auch dem Sportverein gerecht zu werden, stand vor dem kulturellen Highlight auch noch etwas Sport auf der Agenda: Nach einer rund zweistündigen Busfahrt, in der man durch die Fahrergattin und Mit-Turnerin Gabi schon mit Sekt und Süßigkeiten versorgt wurde sowie einem kurzen Zwischenstopp bei einer zünftigen Brotzeit mit Brezn und Dicken von Elfriede, erreichte die gut gelaunte Gruppe den Arbersee, der einmal umrundet werden sollte. Und die Mühen lohnten sich: Herrliche Eindrücke des sommerlichen Bayerischen Waldes konnte man mitnehmen. Und sich anschließend im Arberseehaus mit einem frühen Mittagessen stärken. Immerhin wussten alle Teilnehmer, dass ein langer Nachmittag vor ihnen stand.
Nach rund anderthalb Stunden Weiterfahrt erreichte die Gesellschaft dann Furth im Wald. Schon der Fußweg vom Busparkplatz zur Drachensticharena in der Stadtmitte wurde zum Fest: Die Darsteller – allesamt Laiendarsteller analog der Landshuter Hochzeit- begaben sich von verschiedensten Punkten durch die Stadt, um sich für den für 14.00 Uhr angesetzten Festzug aufzustellen. Und so sah man auch das erste Mal den berühmten Further Drachen, den größten vierbeinigen Schreitroboter der Welt.
Angesichts derTemperaturen von rund 30 Grad Celsius suchten die TSVler noch nicht gleich den Weg zu den Tribünen, sondern man gönnte sich erst einmal ein kühlen Eis. So gestärkt erklomm die ganze Gruppe ihre Plätze, und wartete gespannt auf den Festzug. Und der ließ auch nicht allzulange auf sich warten. Toll geschmückte Wagen, Darsteller in prächtigen Kostümen und diverse Musikantenzüge liefen durch die Arena und wurden bejubelt. Dass es zwischendurch eine Unterbrechung aufgrund eines Unfalls gab, störte die wenigsten. Allerdings zeichnete sich schon jetzt ab, dass die strahlende Sonne auch ihren Preis hatte: Sonnencreme und reichlich Wasser waren nötig, um keinen Sonnenstich zu bekommen, und der eine oder andere bevorzugte doch ein Plätzchen im Schatten hinter den Tribünen.
Dabei stand der Höhepunkt des Tages noch bevor: Das älteste Volksschauspiel in Deutschland startete mit rund 45 Minuten Verspätung. Einer der Hauptdarsteller entschuldigte sich hierfür begrüßte während der Wartezeit verschiedene Reisegruppen, unter anderem den TSV Tiefenbach. Und dieser antwortete mit einem kräftigen „Himmel Landshut, Tausend Landshut, Hallooo“ – sehr zur Überraschung des Publikums und der Darsteller.
Die Geschichte des Drachenstichs in Kürze: Vor dem historischen Hintergrund der Hussitenkriege erwacht eine uralte Legende zum Leben: Die Legende vom Drachen und vom ältesten Mythos der Menschheit – dem Kampf des Guten gegen das Böse. In der Abenddämmerung des Mittelalters, an einem Sonntag im August 1431, wird in Furth im Wald Weltgeschichte geschrieben: Ein mächtiges Heer hat sich hier versammelt, um die abtrünnigen Böhmen, die den Prediger Jan Hus verehren, vernichtend zu schlagen. Die Schlacht ist so gut wie gewonnen, denn der Anführer des Kreuzzugs ist kein Geringerer als der mächtige Kardinal Cesarini, ein Abkömmling von Julius Cäsar. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Im Schatten des Krieges erhebt sich jenes grauenvolle Untier, das seit Urzeiten durch einen Fluch gebannt war. Jede Untat, jeder Mord, jeder Tropfen Blut holen ihn zurück ins Leben. Nur zwei Menschen können dem Drachen Einhalt gebieten: Die junge Schlossherrin von Furth, in deren Hand nun das Schicksal Tausender liegt – und der furchtlose Ritter Udo, der aber in einem Netz tödlicher Intrigen gefangen ist. Unaufhaltsam wälzt sich der Drache auf die Stadt zu. Wenn er nicht hier besiegt werden kann, dann wird sich das düsterste Kapitel der Bibel auf entsetzliche Weise erfüllen … (Quelle: www.Drachenstich.de)
Der beeindruckende Drache, tolle Schauspieler und eine einmalige Kulisse waren jedoch die Strapazen eindeutig Wert. Nachdem um 19.00 Uhr alle wieder im Bus saßen und beim gemeinsamen Abendessen in einem Straubinger Biergarten, war man sich einig, dass dies ein unvergessliches Erlebnis war.